Kategorie: Teil I: Männerpolitik allgemein

Thomas Gesterkamp

Vom Schweigen der Männer zu «Frauenthemen» in den 1980er-Jahren bis zur Etablierung der Jungen- und Männerpolitik im Familienministerium 2010: Thomas Gesterkamp zeichnet die historische Entwicklung der Männerpolitik der letzten Jahrzehnte nach. Gewürzt mit persönlichen Anekdoten und spitzen Kommentaren nimmt er eine grundsätzliche Verortung einer geschlechterdialogischen Männerpolitik jenseits von Profeminismus und Antifeminismus vor.

Thomas Gesterkamp (1957) hat Soziologie und Pädagogik studiert und in Politikwissenschaft über «Männliche Arbeits- und Lebensstile in der Informationsgesellschaft» promoviert. Er ist Journalist in Köln und Autor von Büchern zu familien- und geschlechterpolitischen Themen, zuletzt «Die neuen Väter zwischen Kind und Karriere» (2010) und «Die Krise der Kerle» (2007). Beiträge im Hörfunk, Texte in Tages- und Wochenzeitungen sowie in Sammelbänden und Fachzeitschriften. Tätigkeit als Referent, Moderator und in der Weiterbildung; Lehre an Hochschulen zu den Themen Arbeitsmarkt, Sozialstaat, Familienpolitik, Gender. Mitarbeit beim Männer-Väter-Forum, Köln, und beim Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse, Berlin. Mitbegründer des Väter-Experten-Netz Deutschland. Kontakt: thomas.gesterkamp@t-online.de

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Erich Lehner

Männerpolitik ist unverzichtbar, um die Geschlechterverhältnisse zu verändern. Gleichzeitig ist die Konzeption von Männerpolitik eine riskante Herausforderung. Der österreichische Männerforscher Erich Lehnet beschreibt das Fundament einer «neuen Männerpolitik», die einen ernsthaften Beitrag zu Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit leistet und grenzt sie gegenüber einer geschlechtsblinden «Politik von Männern» und einer benachteiligungszentrierten «Männer(rechts-)politik» ab. Auf dieser Basis formuliert er die prioritären Handlungsfelder geschlechtergerechter Männerpolitik(en) als Teilbereiche einer umfassenden Gleichstellungs- und Geschlechterpolitik. Abschliessend verbindet er zentrale Prinzipien solcher Männerpolitik(en) mit Erfahrungen aus der praktischen Männerarbeit.

Erich Lehner (1958), Mag. Dr., hat in Wien katholische Theologie, Psychologie und Pädagogik studiert und 1997 zur Männerforschung dissertiert. Seit 1997 arbeitet er als Psychoanalytiker in freier Praxis und leistet Beiträge zur Männer- und Geschlechterforschung. Er lehrt und forscht an der Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Graz, Wien, Fakultät-IFF, Abteilung Palliative Care und Organisationsethik. Kontakt: www.erich-lehner.at, erich.lehner@univie.ac.at

Henning von Bargen und Andreas Goosses

Männerarbeit ist in der Auseinandersetzung mit feministischen Positionen entstanden und ohne Geschlechtersensibilität und geschlechterpolitische Positionierung der Akteure nicht denkbar, schreiben Andreas Goosses und Henning von Bargen in ihrem Beitrag «Männerarbeit und Männerpolitik – untrennbar verbunden». Männerpolitik bedarf der Selbstverortung, der Selbstreflexion und einer Positionierung im historisch gewachsenen geschlechterpolitischen Diskurs. Insofern sind Männerarbeit und Männerpolitik untrennbar miteinander verbunden. Wichtige Schnittstelle einer breiteren Debatte über Männerarbeit und Männerpolitik in Deutschland ist seit zwölf Jahren das «Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse», das exemplarisch vorgestellt wird. Welche politische Brisanz Jungen-, Männer- und Väterarbeit haben kann, wird anhand der Spiegel-Affäre um die Jungenarbeit von Dissens e.V. aufgezeigt. Abschließend werden als Ausblick Thesen formuliert, wie in diesen Schnittstellen zwischen Männerarbeit und Männerpolitik in Zukunft Politik gestaltet werden könnte.

Henning von Bargen (1959), M.A., Studium der Soziologie, Erziehungswissenschaften, Ethnologie und Dipl. Pädagogik in Münster, Studium Energieberatung, Energie- und Umweltmanagement an der TU Berlin (Zertifikat). Ausbildung in Themenzentrierter Interaktion (TZI), Personalentwicklung und systemischer Gestaltung von Veränderungsprozessen, Gender-Trainer und Gender-Berater. Langjährige Tätigkeit und Erfahrungen in der politischen und gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, ab 1997 Referent für die Gemeinschaftsaufgabe Geschlechterdemokratie bei der Heinrich Böll-Stiftung, seit 2007 Leitung des Gunda Werner-Instituts für Feminismus und Geschlechterdemokratie in der Heinrich Böll-Stiftung. Veröffentlichungen unter http://www.gwi-boell.de/web/personen-henning-von-bargen-219.html. Kontakt vonbargen@boell.de.

Andreas Goosses (1962), M.A., Dipl.-Psych.. Studium der Psychologie, Lateinamerikanistik und Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin. Psychologischer Psychotherapeut, Männerberater und Männergruppenleiter (seit 1992) mit eigener Praxis für Psychotherapie, Coaching und Beratung in Berlin-Kreuzberg. Dozenten-, Moderatoren- und Trainertätigkeit in den Bereichen Erwachsenenbildung, Personaltraining, Gender- und Diversity-Training (train the trainer / Multiplikatoren- und Multiplikatorinnen-Ausbilder). Männer- und Paarberater bei pro familia Berlin. Sprecher und Gründungsmitglied des Forums Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse. Ehemaliges Vorstandsmitglied des Bundesforums Männer, Interessenverband für Jungen, Männer und Väter. Kontakt: andreas.goosses@nexgo.de

Michael Tunç

Männlichkeiten sind entlang der Dimensionen Ethnizität, Klasse, sexuelle Identität, Alter, (Dis)Ability/Behinderung und weiteren vielfach ausdifferenziert. Männerpolitische Konzeptionen im deutschsprachigen Raum neigen aber dazu, diese Diversitäten und die damit einhergehenden Ungleichverhältnisse zu ignorieren oder nur oberflächlich zu bearbeiten. Der Autor Michael Tunç schlägt männerpolitische Umgangsweisen mit Differenz vor, die sich an einem menschenrechtlich fundierten Gerechtigkeitsideal als Ziel von Männerpolitik(en) orientieren. Er überträgt das «männerpolitische Dreieck» von Michael Messner (1997) und verbindet es mit dem Ansatz der Intersektionalität (vgl. Tunç, 2010). Der Begriff der progressiven Männlichkeiten als eigenständiges Deutungsmuster wird eingeführt. Skizziert wird so eine Männerpolitik mit dem Horizont intersektionaler und rassismuskritischer Emanzipationsbündnisse für Geschlechtergerechtigkeit. Auf diesem Weg muss die gleichstellungsorientierte Männerbewegung einerseits abwertenden, insbesondere antifeministischen Strömungen in klarer Abgrenzung entgegen treten, andererseits eine aktive Öffnung anstreben, um durch neue Männer und Diversitäten bereichert und in ihrer antihegemonialen Ausrichtung glaubwürdig zu werden.

Michael Tunç (1967) ist Diplom-Sozialpädagoge und arbeitet im Rahmen seiner Dissertation (Universität Wuppertal) sozialwissenschaftlich zu Männlichkeit, Väterlichkeit und Migration/Rassismus. Er ist tätig in der Schulsozialarbeit und Väterarbeit, engagiert sich im Väter-Experten-Netz Deutschland e.V. und bei Väter in Köln e.V. Aktuell arbeitet er an der Gründung des bundesweiten Netzwerks Männlichkeiten, Migration und Mehrfachzugehörigkeit mit, das bereits Mitglied im Bundesforum Männer ist. Kontakt: post@michael-tunc.de