Kategorie: Teil II: Zielgruppen

Reinhard Winter

«Die» Jungen als homogene soziale Gruppe gibt es nicht, «die» Benachteiligung der Jungen als Ganzes auch nicht, «die» Jungenpolitik als Rezept genau so wenig. Der Beitrag zeigt, was es gibt, das eine Jungenpolitik nicht nur legitimiert, sondern notwendig und dringlich macht. Der Text beginnt mit einer Beschreibung der rechtlichen Legitimation und realen Problempunkten, nennt die zentralen Spannungsfelder und zeigt die dynamische Verbindung von Jungenpolitik in der Kritik an Männlichkeitsideologien und der Stärkung der Jungen in ihrem gelebten Jungesein und Mannwerden. Jungenpolitik wird dabei als fachlich fundierter und entsprechend differenzierter Ansatz positioniert, Jungen als soziale Gruppe wie auch einzelne Untergruppen von Jungen (z.B. behinderte Jungen) wahrzunehmen, in ihren problematischen Bezügen realistisch einzuschätzen, ihnen Gehör zu verschaffen und sie in ihren Ressourcen zu stärken. Dies beinhaltet auch eine klare Abgrenzung gegenüber jeder Form von Skandalisierung und Instrumentalisierung der vermeintlichen Jungendiskriminierung. Ein Überblick zur strukturellen Verankerung der Jungenpolitik in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie ein Anriss jungenpolitisch relevanter Themen und Fragen runden den Beitrag ab.

Reinhard Winter (1958), Dr. rer. soc. und Dipl. Päd., ist in der Leitung des Sozialwissenschaftlichen Instituts Tübingen (SOWIT) tätig. Unter anderem forscht er über und arbeitet mit Jungen sowie mit Menschen, die mit Jungen arbeiten. Außerdem berät er Organisationen im Zusammenhang mit Genderthemen und zu Gender Mainstreaming. Arbeitsschwerpunkte sind derzeit Jungenarbeit, Jungen- und Männergesundheit sowie Jungensozialarbeit. Aktuelle Veröffentlichungen: «Jungen – eine Gebrauchsanweisung. Jungen verstehen und unterstützen» (Beltz, 2011), «Jungen und Gesundheit: Ein interdisziplinäres Handbuch für Medizin, Psychologie und Pädagogik» (Kohlhammer Verlag, 2012; als Herausgeber zusammen mit Bernhard Stier). Kontakt: www.SOWIT.de, reinhard.winter@sowit.de

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Andreas Borter

Andreas Borter versucht in seinem Beitrag – auf dem Hintergrund der Erfahrungen in der Schweiz – den Ansatz, die Inhalte, die Zielrichtung und mögliche Vorgehensschritte einer Väterpolitik als Teilbereich einer umfassenden Männerpolitik zu entfalten. Dabei kritisiert er die vorherrschende «Privatisierung» der Väterthematik und plädiert als Basis für die politische Aktion dafür, Väterrealitäten ungeschminkt und in ihrer strukturellen Bedingtheit sichtbar zu machen. Wertschätzung für geleistetes väterliches Engagement und der Kampf für mehr Gestaltungsspielräume alltagsnahmen Engagements sollen dabei Hand in Hand gehen. Er plädiert für eine eigenständige Verortung der Väteranliegen innerhalb der öffentlichen Verwaltungen und in den Unternehmen. Väterpolitik kann dabei auch möglicher Türöffner für männerpolitische Anliegen sein. Institutionell hat sich Väterpolitik sowohl in der Gleichstellungspolitik wie auch in der Familienpolitik einen Platz zu sichern. Die Grossväter sind als eigenständige, aber verbundene Gruppe zu berücksichtigen.

Andreas Borter (1951) ist Theologe, Organisationsberater und Genderfachmann, in selbständiger Praxis als Erwachsenenbildner, Supervisor und Organisationsberater tätig. Er ist ein Pionier der Männer- und Väterarbeit in der Schweiz. So initiierte und leitete er mehrere Väterprojekte mit Unterstützung des Schweizerischen Bundesamtes für Gesundheit und des Bundesamtes für Migration. Heute ist er u.a. Mitglied im Vorstandsausschuss von männer.ch und Mitglied der Geschäftsleitung von Pro Familia Schweiz. Kontakt: borter@maenner.ch

Eckhart Hammer

Der alte(rnde) Mann ist das weitgehend unbekannte Wesen der Gerontologie und Männerforschung, dessen spezifische Belastungen noch viel zu wenig beforscht und sozialpolitisch berücksichtigt sind. Hierzu gehören insbesondere die kritische Statuspassage der Entberuflichung, neue Anforderungen an die Beziehungsgestaltung im Alter, soziale Ausgrenzungsprozesse, physische und psychische Gesundheitsgefährdungen bis hin zur Altersdemenz. Diese Belastungen führen zu gravierenden Geschlechterdifferenzen im Hinblick auf Sterblichkeit und Suizidalität, deren sozio-kulturelle Verursachungszusammenhänge besser wahrgenommen und präventiv angegangen werden müssen. Männer in der Angehörigenpflege sind als eine versorgungspolitisch hoch relevante Gruppe auch in ihrer spezifischen Leistungsfähigkeit sichtbarer zu machen. Prof. Eckhart Hammer benennt in seinem Beitrag die vorhandenen Erkenntnisse und Forschungsdefizite und formuliert zu jedem Kapitel die relevanten politischen Implikationen.

Prof. Dr. Eckart Hammer (1954), Diplom-Sozialpädagoge (FH), Diplom-Pädagoge, Dr. rer. soc., seit 1999 Professor für Soziale Gerontologie an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg, zuvor langjährige Tätigkeit in der sozialgerontologischen Erwachsenenbildung. Forschungsschwerpunkte: Männer und Alter(n), Männer und Pflege. Sachbuchautor (zuletzt 2010 «Das Beste kommt noch – Männer im Unruhestand». Freiburg: Kreuz Verlag). Kontakt: e.hammer@eh-ludwigsburg.de, www.prof-hammer.de