Kategorie: Hans-Joachim Lenz und Olaf Kapella

Hans-Joachim Lenz und Olaf Kapella

Obwohl Männer als Täter und Opfer von Gewalt überrepräsentiert sind, wird diese durch die Kriminalstatistik seit den 1970er-Jahren regelmäßig dokumentierte Tatsache bislang im Diskurs um Gewalt und Geschlecht ignoriert oder verkürzt. Der Beitrag von Hans-Joachim Lenz und Olaf Kapella problematisiert diesen Umstand als Ausdruck einer geschlechterpolitischen Strategie und Folge der vorherrschenden – auf Basis der heteronormativen Zweigeschlechtlichkeit konstruierten – Geschlechterkonzeption. Die Ignoranz gegenüber männlicher Verletzbarkeit wird als politisch gewollte Verzerrung beschrieben, von der beide Geschlechter nur vermeintlich profitieren, werden sie doch gleichzeitig in ihren geschlechtsspezifischen Lebensmöglichkeiten eingeengt und besonderen Belastungen ausgesetzt. Männer sehen sich dadurch insbesondere in ihrem Schutzbedürfnis nicht ernst genommen. Der Text zeigt die Fakten, benennt Forschungslücken und formuliert politischen Handlungsbedarf. Dabei werden die Ebenen der institutionellen Angebotsentwicklung (System der Hilfs- und Unterstützungsangebote), der öffentlichen Sensibilisierung und der Forschung vertieft betrachtet.

Hans-Joachim Lenz (1947) ist Sozialwissenschaftler und Geschlechterforscher, ausgebildet in Gestalttherapie und TZI. Er betreibt in Freiburg i.Br. Forsche Männer & Frauen – Büro für Beratung, Bildung und Forschung. In den 1980er-Jahren entwickelte er einen der ersten Ansätze zur geschlechtssensibilisierenden Erwachsenenbildung mit Männern und für Gesundheitsberufe. Anfang der 1990er-Jahren lenkte er seinen Blick auf die gegen Männer gerichtete Gewalt und veröffentlichte – ein Novum im deutschsprachigen Raum – zum ersten Mal Interviews mit Männern, die Gewalt ausgesetzt waren. Neben der Tätigkeit als Dozent zahlreiche Veröffentlichungen zur Männerbildung, zur Männergesundheit, zu männlichen Gewalterfahrungen und zur Neugestaltung des Geschlechterverhältnisses. Mit seinen Forschungen schuf er wichtige Voraussetzungen für die Pilotstudie Gewalt gegen Männer (2004), an dessen Durchführung er federführend beteiligt war. Kontakt: info@geschlechterforschung.net

Olaf Kapella (1964) ist Sozialpädagoge und arbeitet als Sozialwissenschaftler am Österreichischen Institut für Familienforschung an der Universität Wien. Weiter ist er als Sexualpädagoge und Berater/Therapeut tätig. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind Geschlechterforschung, Gewaltforschung, nationale und internationale Familienpolitik sowie Sexualpädagogik. Im Bereich der Gewaltforschung war er maßgeblich an der Erstellung des ersten Gewaltberichtes in Österreich (2001) beteiligt und leitete zuletzt die erste österreichische Prävalenzstudie zu Gewalt in der Familie und im nahen sozialen Raum. In der Beratungsarbeit arbeitet er schwerpunktmäßig in der Männer- und Sexualberatung. Kontakt: olaf.kapella@oif.ac.at

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