Kategorie: Teil IV: Männerpolitik konkret

Dag Schölper

Der Beitrag von Dag Schölper liefert eine Übersicht der verschiedenen männerpolitischen Akteure und stellt sie steckbriefartig vor. Nach der Darstellung des männerpolitischen Dachverbandes BUNDESFORUM MÄNNER werden verschiedene Akteure, größtenteils Mitglieder des Verbands, nach ihren Schwerpunktthemen sortiert vorgestellt: (1) Jungen, (2) Männer, (3) Väter. Diese lebensverlaufsorientierte Eingruppierung ist nicht sehr trennscharf, weder auf Seiten der Akteure noch auf Seiten der Adressierten, ermöglicht aber eine grobe Orientierung. Parallel dazu wird nach dem Aktionsradius (bundesweit, landesweit, kommunal, lokal) geordnet. Abschließend wird der Blick nach vorn gerichtet, um zu schärfen, was in den nächsten Jahren zentrale Herausforderungen für die zivilgesellschaftliche Männer- und Geschlechterpolitik sind.

Dr. phil. Dag Schölper (1977) lebt in Berlin und arbeitet dort als Fachreferent und stellvertretender Geschäftsführer des BUNDESFORUM MÄNNER – Interessenverband für Jungen, Männer und Väter e.V. Zuvor war er Mitarbeiter der Politischen Bundesgeschäftsführerin von BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN, Steffi Lemke. Er studierte und promovierte am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft der Freien Universität Berlin. Schwerpunkt war feministische Theorie und Geschlechterpolitik. Thema seiner Dissertation: Disziplinierung der Geschlechter im Namen des Kindeswohls. Eine Geschichte der Beistandschaft des Jugendamtes für «uneheliche» Kinder. Seit 2000 ist er ehrenamtlich im Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse aktiv. Mail: schoelper@bundesforum-maenner.de

Angela Icken

In Deutschland hat die Gleichstellungspolitik in den vergangenen 25 Jahren einen Weg genommen von der Frauenpolitik zur Politik der Geschlechtergerechtigkeit, der fairen Chancen für Frauen und Männer im Lebenslauf. Die Bevölkerung betrachtet die Lösung von Gleichstellungsfragen zudem als besonders wichtig für den sozialen Zusammenhalt der Gesellschaft. Daher findet der neue Politikansatz, dem eine Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer immanent ist, eine hohe Zustimmung. Der Aufsatz von Angela Icken beschreibt den deutschen Weg von der Frauenpolitik zur Politik der Geschlechtergerechtigkeit für Frauen und Männer und untermauert die Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer der Bundesregierung mit einigen Beispielen.

Dr. Angela Icken (1954) hat an der Rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität in Bonn ein Studium der Agrarwissenschaft als Diplom-Agraringenieur abgeschlossen und 1998 ein Postgraduierten-Studium im Bereich Politikwissenschaften belegt (Promotion 2002). Seit 1986 Mitarbeiterin in der Abteilung Frauenpolitik (später umbenannt in Abteilung Gleichstellung, Chancengleichheit des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend). Seit 1992 als Referatsleitung in unterschiedlichen Referaten. Seit 2010 Leiterin des Referates 408 – Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer. Zahlreiche Veröffentlichungen zu gleichstellungspolitischen Themen. Zwei erwachsene Söhne. Kontakt: angela.icken@bmfsfj.bund.de

Sylvie Durrer

Welchen Stellenwert haben die Anliegen und Bedürfnisse der Männer in der Schweizer Gleichstellungspolitik? Welche Konzepte zum Einbezug und zur Berücksichtigung der männlichen Lebenswelten werden verwendet? Der Beitrag von Sylvie Dürrer stellt die Haltung der Schweizer Bundesbehörden zu diesem Thema dar. Einerseits lassen sich drei Strategien bei der Umsetzung der Gleichstellung unterscheiden: die spezifische, die integrierte (oder Mainstreaming) und die partizipative Strategie. Anderseits bevorzugt die Schweiz ein Vorgehen, das beide Geschlechter mit einbezieht, also einen einschliessenden Ansatz verfolgt. Daher sieht die Bundesregierung auch keine Notwendigkeit, ein Kompetenzzentrum für spezifische Fragen und Probleme von Knaben, Männern und Vätern zu schaffen. Hingegen ist sie offen für punktuelle geschlechtsspezifische Projekte von Frauen- oder von Männerorganisationen. Der einschliessende Ansatz und die dreiteilige Strategie sind auch die in den kantonalen und kommunalen Gleichstellungspolitiken bevorzugten Vorgehen. Mehrere Projekte werden als Beispiele erwähnt.

Sylvie Durrer (1960), Dr. phil., promovierte Sprachwissenschaftlerin, ist seit 2011 Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann. Zuvor leitete sie während fünf Jahren das Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Waadt. 

Jonni Brem

Der Artikel von Jonni Brehm stellt die Männerinitiativen vor, die den schmalen Diskurs über Männerpolitik in Österreich bestimmen, wobei der emanzipatorischen und geschlechterreflektierenden Männerarbeit am meisten Raum gegeben wird. Es wird auch der losen Verbindung zwischen Männerberatung, Katholischer Männerbewegung, universitärer Männerforschung, der ministeriellen Grundsatzabteilung und den Männer-Rechts-Vereinen nachgespürt und die Männerinitiationsarbeit gestreift.

Jonni Brem (1963), ist Psychodrama-Therapeut und klinischer Psychologe, Leiter der Männerberatung Wien und Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft der Männerberatungsstellen und Männerbüros Österreichs (AMÖ). Schwerpunkte: Vernetzung der Männerarbeit und Leitung des größten Sexualtäter-Programms Österreichs (Wiener Sozialtherapeutisches Programm für Sexualtäter, WSPS). Veröffentlichungen zum Psychodrama, zur Sexualtäterarbeit und über Männerarbeit. Jonni Brem ist verheiratet und Vater einer Tochter. Kontakt: brem@maenner.at

Markus Theunert (CH)

Der Beitrag von Markus Theunert stellt die heute wahrnehmbaren Strömungen, Ansätze und Akteure der Männerpolitik in der Schweiz dar. In einem ersten Kapitel wird eine Analyse der wichtigsten zivilgesellschaftlichen Akteure vorgenommen. Ein zweites Kapitel sammelt verschiedene männerpolitische Ansätze und Fragmente in den politischen Institutionen (Regierung, Verwaltung, Parlament, Parteien). Das dritte Kapitel formuliert thesenartig einige Erkenntnisse zur männerpolitischen Interessensvertretung (im Sinn des vorliegenden Buches) auf der Basis der Schweizer Erfahrungen. In einem Exkurs stellt sich die Schweizer Männerzeitung als zentrale Informations- und Diskussionsplattform der Schweizer Männerarbeit vor.

Markus Theunert (1973) ist Gründer der Schweizer Männerzeitung (www.maennerzeitung.ch), Präsident des Dachverbands Schweizer Männerorganisationen (www.maenner.ch) und Mitglied in der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen (www.frauenkommission.ch). Ab Sommer 2012 wirkt er als erster Männerbeauftragter des Kantons Zürich (Fachstelle für die Gleichstellung von Frau und Mann). Daneben bietet er unter dem Namen Quellpunkt «Seminare für wache Erwachsene» an (www.quellpunkt.ch). Kontakt: theunert@maenner.ch

Johannes Berchtold

2001 wurde die Männerpolitische Grundsatzabteilung im österreichischen Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz ins Leben gerufen. Deren Gründer und Leiter Johannes Berchtold zieht nach zehn Jahren Arbeit Bilanz: In seinem Beitrag klärt er Legitimation und Auftrag der Stelle, beleuchtet die relevanten geschlechterpolitischen Fragestellungen und präsentiert die Projekte und Forschungsanliegen der Grundsatzabteilung.

Dr. Johannes Berchtold (1960) ist in Bregenz (Vorarlberg) geboren worden. Er hat in Innsbruck und Wien Philosophie sowie Politikwissenschaft, Soziologie und Psychologie studiert. Promotion 1993 an der Universität Wien. Seit März 2001 Aufbau und Leitung der im österreichischen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz eingerichteten «Männerpolitischen Grundsatzabteilung». Kontakt: johannes.berchtold@bmask.gv.at